04.09.2026  |  Im Browser lesen
Universität Zürich
Zentrum für Kirchenentwicklung
Neue Impulse, sonnige Tage und kirchliche Zukunftsfragen
Liebe Leser:innen,

Der Sommer zeigt sich von seiner schönsten Seite: Die Tage sind lang, und vielerorts zieht das Leben nach draussen – um die Sonnenstrahlen zu geniessen, oder um ein kühles Nass zur Abkühlung zu suchen. Diese Zeit erinnert uns daran, wie wichtig Begegnungen, Gemeinschaft und neue Perspektiven sind. Auch in unseren Kirchen entstehen immer wieder neue Ideen, mutige Projekte und inspirierende Aufbrüche. Einige davon stellen wir Ihnen in diesem Newsletter vor. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und viele bereichernde Sommertage.

Ihr ZKE-Team

Veranstaltungs-Tipp


Bildung als Schlüssel und Hürde zugleich


Online-Tagung der Konferenz Diakonie Schweiz der EKS

09. September 2026, 8.30 bis 12.00 Uhr

Chris Barbalis auf Unsplash

Die Konferenz Diakonie Schweiz der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) führt am Mittwoch, 09. September 2026 eine halbtägige Online-Veranstaltung zum Thema «Grenzen der Armutsüberwindung durch Bildung» durch.

Bildung gilt als wichtiger Schlüssel, um Armut zu überwinden und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Doch aktuelle Erfahrungen aus Forschung und Praxis zeigen: Bildungswege stehen nicht allen Menschen gleich offen. Gerade Menschen, die von Armut oder prekären Lebenssituationen betroffen sind, stossen oft auf finanzielle, soziale oder institutionelle Hürden.

Die Online-Tagung fragt danach, wo die Grenzen von Bildung als Mittel gegen soziale Ungleichheit liegen – und welche Verantwortung Kirche und Diakonie übernehmen können.

Das Thema bewegt auch das Zentrum für Kirchenentwicklung: Unser Geschäftsführer Dr. Silvio Liesch leitet die Arbeitsgruppe von Diakonie Schweiz, die für die inhaltliche Konzeption und Durchführung der Tagung verantwortlich ist. Die Veranstaltung lädt dazu ein, Perspektiven zu wechseln, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Bildung gerechter und besser zugänglich werden kann. 

Die Anmeldung ist noch bis zum 15. August möglich.

Aus der Praxis

 
Taufaktion
«reformiert mittendrin» in St. Gallen

 

Kirche mitten im Leben: «reformiert mittendrin» im Gespräch

Seit April 2025 ist die reformierte Cityseelsorge «reformiert mittendrin»  in St. Gallen unterwegs – nicht in erster Linie in Kirchenräumen, sondern dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Mit kreativen Aktionen, neuen Gottesdienstformen und einer starken Präsenz im öffentlichen Raum erprobt das Team neue Wege kirchlicher Begegnung.

Für Aufsehen sorgte im Mai die Aktion «Taufe to go» im Rahmen der St. Galler Shopping Days. Im Interview erzählen die Verantwortlichen, wie die Pop-up-Taufen aufgenommen wurden, welche Fragen und Diskussionen sie ausgelöst haben und weshalb sie in dieser offenen, beweglichen Form von Kirche grosses Potenzial für die Kirchenentwicklung sehen.

ZKE: Wer/was ist «reformiert mittendrin»?

reformiert mittendrin: Seit April 2025 sind wir die reformierte Cityseelsorge in St. Gallen, getragen von den Kirchgemeinden der Stadt. Wir wollen Kirche sein mit und für die Menschen – hauptsächlich ausserhalb von Kirchenräumen. So sind wir regelmässig in der Stadt an unterschiedlichen Orten anzutreffen und ermöglichen Begegnungen (Kaffee & so auf dem Friedhof; GanzOhr auf dem Bauernmarkt). An Anlässen der Stadt wollen wir präsent sein (St. Galler Fest; Pride). Zudem organisieren wir Anlässe zu unterschiedlichen Themen (Taufe to go, Paar-Cours am Valentinstag, Stille Zelt während Weihnachtsmarkt). Auch experimentieren wir mit neuen Gottesdienstformen (Yogagottesdienst). Wir arbeiten eng mit der katholischen Cityseelsorge zusammen. Um mobil zu sein, haben wir ein Cargobike und einen Fahrradanhänger, der zu einem Marktstand aufgestellt werden kann.

ZKE: Am 1. Mai habt Ihr im Rahmen der St. Galler «Shopping Days» die Möglichkeit angeboten, sich spontan taufen zu lassen. Wie war die Resonanz auf diese «Pop-up-Taufen»?

reformiert mittendrin: Wir haben zwei Menschen getauft (Kind/Erwachsene). Beide hatten es in der Zeitung gelesen und kamen gezielt zu uns. Zudem gab es unzählige Segnungen und viele Gespräche. Dank der geöffneten Kirchentür, dem schönen Wetter und sicherlich auch, weil wir in Amtskleidung draussen standen und die Menschen begrüssten, war die Resonanz sehr gross. Wir wurden wahrgenommen und gesehen.

ZKE: Gab es Kritik, bzw. mit welcher Kritik hattet und habt Ihr auch selbst gedanklich zu tun?

reformiert mittendrin: Rechtliche Fragen klärten wir im Voraus mit der Kantonalkirche ab.

Folgende Kritik gelangte bis zu uns:

  • Es gab Befürchtungen, dass sich Menschen einfach so aus einer Laune heraus und ganz spontan taufen lassen wollen. Wir würden die Taufe «verschenken». Es liess sich niemand so spontan taufen – und ja, wir «verschenkten» die Taufe, weil man sie sich nicht verdienen muss.
  • Grundsätzlich wurden die Shopping Days kritisiert, weil sie am 1. Mai stattfanden. In einer Kolumne wurde dann auch die Kirche und ihr «Mitmachen» kritisiert.
  • Ein Pfarrkollege aus dem Kanton Zürich wollte sichergehen, dass die Taufe automatisch zu Mitgliedschaft und Steuerpflicht führt. Dies ist im Kanton St. Gallen nicht so. Wir haben die Getauften darauf hingewiesen, dass sie sich doch bei der Ortsgemeinde oder dem Einwohnermeldeamt melden sollen.

Häufigste Reaktion: «Es ist gut, dass ihr das macht, dass ihr da seid!»

Wo seht Ihr das kirchenentwicklerische Potenzial dieser Pop-up-Mentalität? In welcher Form werdet Ihr Euch weiterhin bewusst von diesem Mindset leiten lassen?

Solche Aktionen sind überraschend und zum Teil auch irritierend – an Shopping Days erwartet man keine Taufe! Im besten Fall ergeben sich Begegnungen, Gespräche und Diskussionen, und die Kirche wird sichtbar(er) im öffentlichen Raum. Wir kommen in Kontakt mit

kirchenfernen Zielgruppen und bekommen allenfalls ihre Bedürfnisse und Erwartungen mit. Die Menschen haben die Möglichkeit, auf eine etwas andere Weise Kirche und ihren Vertreter:innen zu begegnen.

Weil wir keinen Kirchenraum bespielen müssen, werden wir auch weiterhin so arbeiten. Wir sind frei, unsere Aktionen irgendwo im öffentlichen Raum durchzuführen. Gleichzeitig haben wir jederzeit die Möglichkeit, kirchliche Räume zu nutzen. Dies hat grosses Potenzial und macht unsere Arbeit vielseitig und spannend.

Kirchengedanken Kirchenträume

Drei Fragen an Annelies Hegnauer, Kirchenpflegepräsidentin 2022 2026 der reformierten Kirchgemeinde Zürich

Wenn du auf unsere Kirchen blickst: Was stimmt Dich nachdenklich?

Die Polarisierung, die von der Gesellschaft auf die Kirche überschwappt und damit auch die extremen Positionierungen auf allen Seiten. Die gemässigte Mitte fehlt mir nicht nur in der Politik, sondern oft auch in der Kirche. Auch sehr nachdenklich stimmt mich, wieviel Fürchterliches auf dieser Welt im Namen Gottes geschieht und durch ihn gerechtfertigt wird. 

⁠Und was stimmt Dich hoffnungsvoll?

Dass Spiritualität im Leben vieler Menschen noch immer (resp. wieder) eine Rolle spielt. Viele Mitarbeitende in unseren Gemeinden geben Menschen auf der Suche nach ihrer persönlichen Spiritualität Antworten und stellen Angebote bereit. Diese Kreativität und Innovation lässt hoffen – und ich glaube daran, dass die Kirche am Puls der Zeit bleibt und auch in Zukunft unentbehrlich ist.  

⁠Ich träume von einer Kirche, die ...

… Generationen, unterschiedliche Lebensentwürfe, verschiedene Geschlechter, ungleiche theologische Positionierungen und weitere Gegensätze verbindet. Mein Traum ist eine Kirche, die nicht fragmentiert, sondern den Fokus auf das Gemeinsame, das Verbindende legt – und nicht auf das, was Menschen voneinander trennt.

 

Universität Zürich
Zentrum für Kirchenentwicklung
Kirchgasse 9
8001 Zürich
+41 44 634 47 81
Sekr_ZKE@theol.uzh.ch
www.kirchenentwicklung.ch

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